Wer das Internet im Wohnmobil nur für den Wetterbericht und die gelegentliche Suche nach einem Stellplatz braucht, kommt mit dem Hotspot vom Handy meistens gut aus. Sobald man aber regelmäßig arbeiten, an Videokonferenzen teilnehmen oder größere Dateien verschicken muss, sieht man die Zuverlässigkeit der Verbindung mit ganz anderen Augen.
Mobiles Internet kann an einem Ort hervorragend funktionieren und ein paar Kilometer weiter praktisch unbrauchbar sein. Starlink wiederum braucht freie Sicht zum Himmel und fällt im Tunnel oder unter Bäumen logischerweise aus. Deshalb wollte ich nicht alles auf eine einzige Technologie setzen.
Am Ende habe ich im Wohnmobil Starlink, den 5G-Router Teltonika RUTX50 und zwei SIM-Karten verschiedener Anbieter kombiniert. Wichtig ist dabei nicht nur, dass ich drei Verbindungsmöglichkeiten habe. Der entscheidende Vorteil ist, dass der Router automatisch zwischen ihnen umschaltet.
Starlink zuerst, dahinter T-Mobile und Vodafone
Als Hauptleitung nutze ich Starlink. In der Failover-Konfiguration hat er die höchste Priorität. Danach folgt SIM 1 von T-Mobile, und als letzte Reserve steckt im Router SIM 2 von Vodafone.
Der Router prüft die Verfügbarkeit der Verbindung laufend. Verliert Starlink das Signal, übernimmt T-Mobile. Ein typisches Beispiel ist die Fahrt durch einen Tunnel: Der Satellit hat dort keine Chance, mobiler Empfang kann aber durchaus vorhanden sein. Das Umschalten geht sehr schnell, und ich muss dafür nichts von Hand einstellen.
Wie lange der Übergang genau dauert, hängt von den Intervallen ab, in denen der Router die Leitung prüft. Bei gut abgestimmter Konfiguration ist es eine Sache von Augenblicken. Manche bereits aufgebauten Verbindungen bauen sich nach dem Wechsel der öffentlichen IP-Adresse neu auf, beim normalen Arbeiten merkt man davon aber meistens kaum etwas.
Sobald Starlink wieder läuft, kann der Router automatisch dorthin zurückwechseln. Ich muss also weder verfolgen, über welche Leitung er gerade kommuniziert, noch nach der Tunnelausfahrt irgendetwas zurückschalten.
Warum ich SIM-Karten von zwei Anbietern habe
Man könnte in beide Slots Karten desselben Anbieters stecken, damit wäre mir aber wenig geholfen. Wenn T-Mobile in einer Gegend schlechte Abdeckung hat oder ausfällt, rettet die zweite Karte im selben Netz die Lage nicht.
Deshalb steckt in SIM 1 T-Mobile und in SIM 2 Vodafone. Vodafone nutze ich normalerweise nicht, die Karte bleibt die letzte Möglichkeit. Es gibt aber Orte, an denen ein Anbieter fast kein Signal hat und der andere problemlos funktioniert. Genau dort zahlt sich die zweite SIM aus.
Noch mehr Sinn ergibt das auf Reisen durch Europa. T-Mobile und Vodafone können im Ausland unterschiedliche Roaming-Partner haben. Funktioniert das Netz, in das sich die eine tschechische SIM einbucht, nicht gut, kann sich die zweite Karte bei einem anderen lokalen Anbieter anmelden. Das ist nicht einfach eine weitere SIM „für alle Fälle“, sondern eine echte Möglichkeit, in ein anderes Netz zu kommen.
Der Sinn der zweiten SIM liegt nicht darin, dass Sie zwei Karten haben. Er liegt darin, dass Sie Zugang zu zwei unabhängigen Funknetzen mit unterschiedlicher Abdeckung und im Ausland auch mit unterschiedlichen Roaming-Partnern haben. Zwei Karten desselben Anbieters bringen diesen Vorteil nicht — sie fallen beide gleichzeitig aus.
Wohin ich den Router gesetzt habe
Die Teltonika habe ich im oberen Teil des Schranks in der Nähe des Elektroverteilers montiert. Dort ist der Router nicht im Weg, er sitzt nah an den 12-V-Leitungen, und ich musste keine langen Versorgungskabel durch das halbe Wohnmobil ziehen.
Der Router ist fest verschraubt, damit er während der Fahrt nicht verrutscht. Gleichzeitig komme ich noch vernünftig an ihn heran, wenn ich Kabel, SIM-Karten oder die Status-LEDs kontrollieren will.
Bei der Montage habe ich versucht, den Antennen möglichst viel Platz zu lassen. Man muss außerdem aufpassen, dass der Router später nicht zwischen Kleidung verschwindet. Elektronik braucht Luft, und die Sachen im Schrank sollten weder auf die Stecker drücken noch die Antennen verstellen.
Der Platz im Inneren des Wohnmobils ist praktisch, aber der Fahrzeugaufbau dämpft das Signal. Der Router kann 5G anzeigen und die Verbindung trotzdem nicht schnell sein. Das 5G-Symbol allein und die Zahl der Balken erzählen nicht die ganze Geschichte.
Viel nützlicher als die Balken sind drei Werte, die der Router in der Administrationsoberfläche anzeigt:
| Wert | Was er angibt | Warum er zählt |
|---|---|---|
| RSRP | Stärke des empfangenen Signals | Sagt, wie stark das Signal ankommt — aber nichts über seine Sauberkeit. |
| RSRQ | Signalqualität | Berücksichtigt auch Störungen und die Auslastung der Funkzelle. |
| SINR | Verhältnis von Signal zu Rauschen und Störungen | Sagt die reale Geschwindigkeit am besten voraus. Niedriger SINR = langsame Verbindung, auch bei voller Balkenanzeige. |
Hätte ich auch nach dem Feinschliff der Einstellungen kein brauchbares Ergebnis erreicht, wäre der nächste Schritt eine Außenantenne für 4G/5G auf dem Dach gewesen. Die holt den Empfang aus der Blechhülle des Wohnmobils heraus. Zuerst wollte ich aber sehen, was die vorhandene Installation schafft.
Den Router versorge ich direkt aus 12 V
Der RUTX50 hängt direkt am 12-V-System des Wohnmobils. Für mich ergab es keinen Sinn, wegen des Routers den Wechselrichter einzuschalten, aus der Batterie 230 V zu machen und die Spannung danach mit einem Netzteil wieder herunterzusetzen.
Die direkte Versorgung bedeutet weniger Verluste, weniger Netzteile und vor allem die Möglichkeit, den Router auch abseits des Campingplatzes aus der Aufbaubatterie laufen zu lassen. Der Versorgungszweig hat natürlich seine eigene passende Absicherung.
Bei einer solchen Installation sollte man nicht vergessen, dass „12 V im Fahrzeug“ nicht unter allen Umständen genau 12,0 V sind. Die Spannung ändert sich je nach Batteriezustand und danach, ob gerade geladen wird. Geräte, Kabel und Absicherung müssen deshalb den tatsächlichen Verhältnissen im Bordnetz entsprechen und nicht nur dem Wert, der auf der Steckdose steht.
Warum ich mich mit TTL beschäftigt habe
Beim Testen bin ich auf einen merkwürdigen Unterschied gestoßen. Dieselbe SIM-Karte erreichte im Handy höhere Geschwindigkeiten als im Router. Eine mögliche Ursache war, dass der Anbieter den über den Router laufenden Verkehr erkannte und anders behandelte.
TTL, also Time To Live, ist ein Wert im IP-Paket, der beim Durchlaufen eines Routers üblicherweise verringert wird. Genau dieser abweichende Wert kann dem Netz verraten, dass der Verkehr nicht direkt im Handy entsteht, sondern von einem weiteren Gerät hinter dem Router kommt.
Auf dem RUTX50 habe ich deshalb die Regel für TTL angepasst. Nach dem Speichern erschien in der Administration die grüne Meldung „Configuration has been applied“, es war also klar, dass die neue Einstellung aktiv ist.
Damit ist der Test aber noch nicht zu Ende. Der Router muss neu gestartet werden, oder man muss zumindest die Mobilfunkverbindung aus- und wieder einschalten. Erst danach entstehen neue Verbindungen mit der aktuellen Einstellung.
Die Geschwindigkeit im Mobilfunknetz schwankt mit der momentanen Auslastung der Funkzelle. Sinn ergeben erst mehrere Messungen auf demselben Gerät, am selben Ort, und der Vergleich von Download, Upload und Latenz.
Die Auswertung ist dann einfach: Steigt die Geschwindigkeit nach der Änderung deutlich, hing die ursprüngliche Begrenzung womöglich damit zusammen, wie das Netz den Verkehr aus dem Router erkannt hat. Bleibt sie bei ungefähr 30 Mbit/s, ist ein schwaches oder gestörtes Signal im Inneren des Wohnmobils die wahrscheinlichere Ursache.
Die TTL-Einstellung muss nicht bei jedem Tarif und jedem Anbieter dieselbe Wirkung haben. Man muss sich außerdem an die Bedingungen des jeweiligen Dienstes halten.
Starlink am Dachfenster
Starlink nutze ich als Hauptverbindung, deshalb brauchte ich einen einfachen Platz mit guter Sicht zum Himmel. Die Antenne sitzt in einer abnehmbaren Halterung mit Saugnäpfen am Dachfenster.
Der Vorteil: Ich musste keine zusätzlichen Löcher ins Dach bohren. Nach der Ankunft baue ich die Antenne auf, bei der Abfahrt räume ich sie wieder weg.
Die Saugnapfhalterung ist für den Stand gedacht, nicht für den Betrieb auf der Straße. Vor der Abfahrt müssen Starlink und die komplette Halterung vom Dach herunter.
Bei einer Satellitenverbindung ist die freie Sicht zum Himmel das Wichtigste. Bäume, umliegende Gebäude oder andere Hindernisse können kurze Aussetzer verursachen. Und genau dann ergibt der automatische Failover ins Mobilfunknetz Sinn.
Starlink läuft auch ohne 230-V-Wechselrichter
Auch wegen Starlink muss ich den Wechselrichter nicht einschalten. Ich versorge ihn aus der 12-V-Bordsteckdose über einen 100-W-USB-C-Power-Delivery-Adapter.
Das ist einfach und energetisch sinnvoller als die doppelte Umwandlung über 230 V. Auch der Leerlaufverbrauch des Wechselrichters entfällt, der sonst den ganzen Tag wegen eines einzigen Verbrauchers laufen müsste.
Es reicht nicht, dass auf dem Adapter 100 W steht. Die nötige Leistung und das Ladeprofil muss die gesamte Kette schaffen, inklusive Kabel und der Bordsteckdose selbst. Bei längerem Betrieb kontrolliere ich, ob sich Steckdose, Adapter oder Stecker übermäßig erwärmen.
Wie das in der Praxis läuft
Stehe ich auf einem offenen Platz, läuft das Internet vorrangig über Starlink. Wird die Sicht zum Himmel verdeckt oder fahre ich mit dem Wohnmobil in einen Tunnel, erkennt der Router den Ausfall und geht auf T-Mobile. Funktioniert an dem Ort auch T-Mobile nicht, bleibt noch Vodafone.
Sobald die Verbindung mit der höheren Priorität zurück ist, schaltet der Router automatisch wieder auf sie um. Der ganze Ablauf funktioniert, ohne dass ich SIM-Karten oder Kabel von Hand tausche.
Die Verfügbarkeitsprüfung wollte ich weder zu träge noch unnötig aggressiv einstellen. Ist das Intervall lang, reagiert der Router zu spät auf einen Ausfall. Ist die Prüfung zu empfindlich, springt er bei jedem kurzen Wackler zwischen den Leitungen hin und her.
Als nicht verfügbar sollte erst die Leitung gelten, die mehrere Prüfungen hintereinander nicht besteht — nicht die, die einmal nicht antwortet. So vermeiden Sie das Hin- und Herspringen zwischen den Leitungen bei jedem kurzen Wackler, und der Router reagiert trotzdem schnell genug.
| Leitung | Priorität | Wann sie einspringt | Schwachstelle |
|---|---|---|---|
| Starlink | 1 | immer, wenn freie Sicht zum Himmel besteht | Tunnel, Bäume, Bebauung |
| SIM 1 — T-Mobile | 2 | beim Ausfall von Starlink | schwache Abdeckung am jeweiligen Ort |
| SIM 2 — Vodafone | 3 | wenn auch T-Mobile nicht funktioniert | Reserve, wird normalerweise nicht genutzt |
Fazit
Am Ende habe ich also nicht einfach einen Router und dazu Starlink. Ich habe drei aufeinander aufbauende Verbindungsmöglichkeiten, die sich gegenseitig ergänzen. Starlink löst die Orte ohne brauchbare Mobilfunkabdeckung, T-Mobile übernimmt, wenn die Satellitenantenne verdeckt ist, und Vodafone bleibt als zweiter Anbieter für Gegenden, in denen das erste Mobilfunknetz nicht funktioniert.
Genau diese Kombination ergibt für mich unterwegs am meisten Sinn. Sie garantiert nicht, dass das Internet überall und unter allen Umständen läuft. Sie senkt aber deutlich die Wahrscheinlichkeit, dass ich ohne Verbindung dastehe, wenn ich sie wirklich brauche.
Häufige Fragen
Warum sollte man im Router SIM-Karten von zwei verschiedenen Anbietern haben?
Zwei Karten desselben Anbieters helfen nicht, wenn dieses Netz vor Ort eine schwache Abdeckung oder einen Ausfall hat — beide Karten sind gleich dran. Karten von zwei Anbietern geben Zugang zu zwei unabhängigen Netzen. Im Ausland ist der Nutzen noch größer: Tschechische Anbieter haben unterschiedliche Roaming-Partner, deshalb kann sich jede Karte bei einem anderen lokalen Anbieter anmelden.
Wie schnell schaltet der Router von Starlink auf das Mobilfunknetz um?
Das hängt vom Intervall ab, in dem der Router die Verfügbarkeit der Leitung prüft, und von der Anzahl der Fehlversuche, nach denen er sie als nicht verfügbar markiert. Bei vernünftig abgestimmter Einstellung geht es um wenige Sekunden. Manche bereits aufgebauten Verbindungen bauen sich nach dem Wechsel der öffentlichen IP-Adresse neu auf, beim normalen Arbeiten ist das Umschalten aber meistens kaum zu bemerken.
Warum zeigt der Router 5G an, das Internet ist aber langsam?
Das 5G-Symbol und die Zahl der Balken sagen nur, dass sich der Router beim Netz angemeldet hat — nicht, welche Qualität die Verbindung hat. Im Inneren des Wohnmobils dämpft außerdem die Metallkonstruktion das Signal. Nützlicher sind die Werte RSRP (Signalstärke), RSRQ (Qualität) und vor allem SINR, der das Verhältnis von Signal zu Rauschen und Störungen zeigt. Ein niedriger SINR bedeutet eine langsame Verbindung, auch bei voller Balkenanzeige.
Muss ich wegen Starlink den 230-V-Wechselrichter einschalten?
Nein. Der Starlink Mini lässt sich aus der 12-V-Bordsteckdose über einen 100-W-USB-C-Power-Delivery-Adapter versorgen. Damit entfällt die doppelte Spannungsumwandlung (12 V → 230 V → wieder herunter) und mit ihr auch die Verluste und der Leerlaufverbrauch des Wechselrichters. Voraussetzung ist, dass die gesamte Kette inklusive Kabel und Steckdose die nötige Leistung schafft.
Was ist TTL und warum spielt es beim Mobilfunkrouter eine Rolle?
TTL (Time To Live) ist ein Wert im IP-Paket, der bei jedem Durchlauf durch einen Router um eins verringert wird. An dem abweichenden Wert kann das Netz erkennen, dass der Verkehr nicht direkt im Handy entsteht, sondern von einem Gerät hinter dem Router kommt. Wenn dieselbe SIM im Handy höhere Geschwindigkeiten erreicht als im Router, kann genau hier die Ursache liegen. Nach dem Anpassen der Regel muss man den Router neu starten und die Geschwindigkeit mehrmals messen — ein einzelner Speedtest beweist nichts.
Sie fragen sich, warum ich mich gerade für den Starlink Mini und einen industriellen Teltonika-Router entschieden habe statt für einen günstigeren mobilen 5G-Router? Die komplette Hardware-Auswahl inklusive Tarife beschreibe ich im Artikel Starlink Mini + Teltonika RUTX50 →